Deutscher Tanzpreis 2007

 

Susanne Linke

Die Verleihung des Deutschen Tanzpreises an Susanne Linke fand am 28. April 2007 im Aalto Theater Essen statt. Die Laudatio hielt Prof. Lutz Förster (Prof. für Zeitgenössischen Tanz und Beauftragter für den Studiengang Tanz an der Folkwang Schule Essen).

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Der Text der Ehrenurkunde

In Anerkennung ihrer Verdienste um den Tanz in Deutschland zeichnet der Deutsche Berufsverband für Tanzpädagogik e.V. gemeinsam mit dem Verein zur Förderung der Tanzkunst in Deutschland e.V. Susanne Linke mit dem Deutschen Tanzpreis 2007 aus.

Ihr großer Verdienst um den modernen Tanz ist, das Erbe der Essener Folkwang-Tradition und ihrer frühen Eindrücke bei Mary Wigman weiter entwickelt zu haben. International wird Susanne Linke als repräsentativ für das moderne Tanztheater gefeiert.

Verliehen zu Essen am Samstag, dem 28. April 2007

Der Lebenslauf

Sie ist die Jüngste in der »Generation Tanztheater«: Susanne Linke, Jahrgang 1944. Aber sie ist wahrscheinlich auch diejenige, die sich am meisten dagegen wehrt, in diese Schublade eingeordnet zu werden. Wenn jedoch von kompetenter Seite über das Kapitel Tanztheater innerhalb der deutschen Tanzgeschichte berichtet wird, taucht regelmäßig diese Fünfer-Gruppe auf: Pina Bausch, Reinhild Hoffmann, Gerhard Bohner, Johann Kresnik und – meist als letzte in der Reihe – Susanne Linke, und das sowohl in Jochen Schmidts als auch in Susanne Schlichers Publikationen zum »Tanztheater«.

Susanne Linke ist Tänzerin, Choreographin, Direktorin und Pädagogin, auch auf Tagungen und Symposien zur Tanzgeschichte und -wissenschaft ist sie häufiger und gern gehörter Gast. In der Entwicklung vom Ausdruckstanz zum Tanztheater nimmt sie eine besondere Position ein, da sie Mary Wigman und Dore Hoyer noch erlebte, das Tanztheater in den 70er Jahren entscheidend mit prägte, aber darüber hinaus ihren ganz eigenen Weg nie aus den Augen verlor: Sie ist in ihrer Generation »die Einzelgängerin«, wie Jochen Schmidt schrieb. Der Deutsche Berufsverband für Tanzpädagogik e.V. in Zusammenarbeit mit dem Verein zur Förderung der Tanzkunst in Deutschland e.V. verleiht Susanne Linke den Deutschen Tanzpreis 2007.

Erst spät, im Alter von zwanzig Jahren, beginnt sie ihre Tanzausbildung. Von 1964 bis 1967 lernt sie im Wigman-Studio in Berlin und erhascht damit nach eigener Aussage soeben noch den »letzten Zipfel« der großen Ausdruckstänzerin, denn Mary Wigman schließt ihre Berliner Schule 1967. In den drei darauf folgenden Jahren studiert sie an der Essener Folkwang Schule, direkt nach der Ausbildung wird sie Tänzerin im Folkwang Tanzstudio, das Pina Bausch damals leitete. Von 1975 (bis 1977 gemeinsam mit Reinhild Hoffmann) bis 1985 übernimmt Susanne Linke die künstlerische Leitung des Ensembles, das sich in dieser Zeit zu einer professionellen Compagnie mit eigenem Profil entwickelt.

Anfang der 70er Jahre entstehen erste Choreographien, in den 80ern kommt der internationale Durchbruch mit Solowerken wie »Im Bade wannen« (1980) und »Schritte verfolgen« (1985). Aber auch mit Gruppen-Choreographien macht sie auf sich aufmerksam, ihr »Frauenballett« entsteht 1981 in Essen, »Ruhr-Ort«, ein reines Männerstück, reflektiert gesellschaftliche Veränderungen und wird 1991 in Leverkusen uraufgeführt.

Dem Vorbild Dore Hoyer nähert sie sich auf verschiedene Weise, viel Beachtung fand die Rekonstruktion des Tanzzyklus »Afectos Humanos«, den Susanne Linke 1987 in der Berliner Akademie der Künste erstmals aufführt.

Anlässlich eines Stipendien-Aufenthalts hatte Susanne Linke 1979 die Arbeit der Limón Dance Company in New York kennen gelernt, 1986 choreographiert sie für diese Truppe »Also Egmont bitte«, erst 2004 mit »Extreme Beauty« ein weiteres Stück. Als freie Choreographin arbeitet sie ferner an der Pariser Oper, für das Nederlands Dans Theater in Den Haag, in Tel Aviv, Mailand, Wien, Berlin – und immer wieder in Essen.

1994 übernimmt sie zusammen mit Kollege Urs Dietrich das Bremer Tanztheater. Das Paar erarbeitet einige Werke gemeinsam, zuletzt »Tanz-Dis-tanz« im Jahr 2003 für das Choreographische Zentrum in Essen. 2000 war Susanne Linke designierte künstlerische Leiterin des Choreographischen Zentrums Zeche Zollverein in Essen, seit 2001 arbeitet sie wieder als freischaffende Choreographin. (Dagmar Fischer)

Die Laudatio von Prof. Lutz Förster

Liebe Susa,

wer hätte das gedacht! – damals im Oktober 1974 – ich hatte gerade mein Tanzstudium an der Folkwang Hochschule begonnen, und an diesem vielversprechenden Herbsttag versammelten sich Dozenten und Studenten in Saal 2 – um der Präsentation einiger Choreographie-Versuche beizuwohnen.

Nun und das Meiste war auch alles mehr oder weniger so, wie ich mir das – als Exphilologie-Student – habe vorstellen können, bis – die Tür aufging und du liebe Susa mit nassen Haaren und einem klatschnassen bodenlangen Kleid hereinkamst – frisch aus der Dusche. Du wolltest ein neues Solo präsentieren – nass.

Ich muss gestehen, ich war verwirrt. – Ich war ja noch neu, völlig unbeleckt vom modernem Tanz und ganz naiv hab‘ ich mich gefragt: Muss das so sein? Das tropft doch, und wenn sie jetzt ausrutscht. Kurzum: Ich war besorgt um dich.

Aber meine Befürchtungen erwiesen sich bald als gegenstandslos, denn im Wesentlichen gingst du ja nur: mal vor, mal zurück, mal links, mal rechts, mal langsam, mal schneller.

Ganz ehrlich gesagt: Ich hatte mir das damals mit dem Tanzen eigentlich anders vorgestellt.

Nun aus diesem »nassen Solo« hast du dann ein Stück gemacht: »Danse Funèbre« und hast damit den 3. Preis beim Choreographen Wettbewerb in Bagnolet gewonnen.

Für dich war es deine erste öffentliche Anerkennung und für mich bedeutet dieses unvergessene »nasse Solo«, dass ich immer noch sehr klar und feucht vor Augen habe, bis heute – in erster Linie – den Beginn einer nunmehr schon 33 Jahre andauernden wunderbaren Freundschaft.

Liebe Susa, zum Zeichen später Reue für meine profanen Gedanken von damals, für die ich mich hiermit nachträglich und nachdrücklich entschuldigen möchte, hatte ich eigentlich beabsichtigt, heute Abend auch hier in einem adäquat feuchten Outfit zu erscheinen, habe aber dann aus Gründen persönlicher Eitelkeit davon Abstand genommen.

Ich bitte um dein Verständnis.

Guten Abend meine Damen und Herren,

ich bin nicht der einzige, der sein Urteil über Susanne Linke mit einer Fehleinschätzung begonnen hat. Nun irren ist ja nur allzu menschlich – bei Kritikern geradezu alltäglich. Zum Glück sind die meisten über die Jahre ja auch klüger geworden, bei einigen hat es halt etwas länger gedauert, aber wie ich zur Beruhigung aller versichern darf: Susanne Linke ist nicht nachtragend.

Ja, sie verfügt über die wunderbare Gabe, auch wieder sensationell schnell vergessen zu können. Sie hat mit einer Engelsgeduld – Zuspruch, Anerkennung, Erfolg, – und Preise, so wie auch diesen heute – einfach auf sich zukommen lassen.

Irgendwie muss sie schon immer tief im Herzen gewusst haben, dass die Zeit für sie arbeitet.

Und Susanne Linke hat sich Zeit gelassen.

So beginnt sie ihre Tanzausbildung erst mit dem – für damalige Verhältnisse – greisenhaften Alter von 20 Jahren bei Mary Wigman in Berlin.

Mit 40 startet sie eine einzigartig international erfolgreiche Solokarriere, mit 50 wagt sie den Sprung an ein deutsches Stadttheater und bis heute steht sie als Tänzerin international gefragt und erfolgreich auf der Bühne. Das macht Mut.

Liebe Susa: auch wenn Du selbst – vielleicht mit einer gewissen Koketterie – behauptest, das Publikum käme nur noch zu Deinen Solo Abenden, um zu überprüfen, ob es bei Dir schon Knacks gemacht hat, liebste Susa, ich versichere Dir: da knackst noch gar nichts – im Gegenteil: deine Kraft und Attraktivität sind nach wie vor beneidenswert. Das strahlt, das fließt, das flutscht, ist präzise und klar wie – eh – und – je.

Wir feiern in diesem Jahr ein kleines Jubiläum: Vor 40 Jahren kam Susanne Linke nach Essen an die Folkwang Hochschule, und sie ist dieser Stadt und dieser Institution bis heute treu geblieben. 40 Jahre Folkwang – als Studentin, als Tänzerin im Folkwang Ballett unter Pina Bausch, als künstlerische Leiterin des Folkwang Tanzstudios – gemeinsam mit Reinhild Hoffmann und später alleine, und in den letzten Jahren als immer wieder gern gesehene Gastchoreographin und Dozentin.

Im letzten Sommersemester hatte sie eine Gastprofessur. Es entstand die Choreographie, aus der sie gleich noch einen Ausschnitt sehen werden. Und auch in diesem Juni wird sie wieder beim Tanzabend vertreten sein

Das tut gut. Denn immer, liebe Susa, wenn du in Werden vorbeikommst, weht ein frischer Wind durch die Säle: Unbeeindruckt von sogenannten Sachzwängen stellst du liebgewordenes und festgefahrenes in Frage und mit viel Respekt, Verantwortung und einer großen Liebe für die Sache hast du die Tanzabteilung mit schöner Regelmäßigkeit aufgemischt und durch deine konstruktive Kritik mit dazu beigetragen, dass wir unser 80-jähriges Jubiläum in diesem Jahr einigermaßen unverstaubt und perspek­tivenreich begehen können.

Auch, dass Essen sich heute als »Tanzstadt« bezeichnen darf, verdanken wir nicht zuletzt deiner künstlerischen Arbeit und deiner Beharrlichkeit. Du hast es geschafft, dein eigenes Studio aufzubauen, hast mit deiner – dir eigenen – charmant bestimmten Art, die Stadt Essen überzeugt, diesen Ort für junge Choreographen der freien Szene nutzbar zu machen. und du hast mit viel Geduld und Ausdauer die Gründung des Choreographischen Zentrums möglich gemacht.

Du hast Essen und Folkwang in die große, weite Welt hinaus getragen. Durch deine zahlreichen Tourneen mit dem Folkwang Tanzstudio und deiner eigenen Compagnie, durch deine Soloabende und später gemeinsam mit Urs Dietrich hast du den Zeitgenössischen Tanz im Ruhrort Essen zu einer festen Größe gemacht.

Du hast mit den unterschiedlichsten Tänzern gearbeitet, von Brasilien bis Hongkong und bis zum Senegal, überall warst du willkommen, überall wurdest du geschätzt, gefeiert und ausgezeichnet.

Du hast für große Compagnien choreographiert, wie das Nederlands Dans Theater, die Limón Dance Company, und das Ballett der Pariser Oper und – demnächst nun auch – für das aalto ballett theater essen …

Man bezeichnet so was wohl landläufig als eine Weltkarriere.

Du hast gemeinsam mit Urs Dietrich am Theater Bremen eine neue Compagnie aufgebaut, (Nun, was überambitionierte Lokalpolitiker heute damit anstellen, lassen wir hier mal unkommentiert!).

Und du stehst bis heute als eine der erfolgreichsten deutschen Tänzerinnen auf der Bühne. Dein Werkregister ist inzwischen so umfang- und facettenreich, dass eine detaillierte Aufzählung und Würdigung deiner zahlreichen Choreographien uns hier bis spät in die Nacht beschäftigen könnte.

Man attestiert dir: Vollendetes Formgefühl, Sinn für das richtige Maß und eine sehr persönliche kontrollierte Emotionalität jenseits aller – heute so beliebten – falschen Befindlichkeitslyrik.

Ja, bei der Wiederaufnahmepremiere deines Soloabends »Schritte verfolgen« im Februar auf PACT Zollverein wurde Dir sogar »ikonenhafte Größe« bescheinigt.

Nun das war nicht immer so.

1975 beim Choreographischen Wettbewerb in Köln vergab die Jury keinen ersten Preis und bedachte dich mit dem zweiten. Der Kölner Stadtanzeiger titelte über die Präsentation der 27 Choreographien »Trostlose Bilanz« und bezeichnete dein Stück »Puppe?« als »Ödes Produkt der Essener Folkwang Schule«.

Doch immerhin wurdest du mit diesem »öden Produkt« und anderen Choreographien zu deinem ersten Auslandsgastspiel eingeladen – nach Paris. »Paris«- Das war damals noch eine kleine Sensation. Und mit der Aussicht auf ein Croissant im Café Flore am Boulevard St. Germain verzichteten wir gerne auf Honorar, Hotelunterbringung und Spesen. Wir wollten halt tanzen und deine Choreographien unter die Leute bringen. Glücklicherweise kam einer der Tänzer ja aus Paris und so campierten wir halt auf dem Fußboden im Hause der Familie Detot.

Es hat uns nicht geschadet – und bis heute haben die Geschichten dieser Reise ihren festen Platz im Anekdotenfundus.

Der Aufführungsort die »Faculté des Droits« entpuppte sich als ein nüchterner, rudimentär ausgestatteter Hörsaal der – rechtswissenschaftlichen – Fakultät. Das Podium war winzig, wurde aber eilig durch ein weiteres winziges Podium erweitert und diese beiden wurden dann raffiniert durch eine dubiose Blechkonstruktion verbunden, die zwar optisch durch einen immerhin betanzbaren Belag verborgen wurde, die sich dafür aber akustisch bei jedem noch so delikaten Kontakt lautstark bemerkbar machte, und in dem Moment als die Tänzer zwar choreographiegemäß, aber sich den fatalen Umständen nicht bewusst, eine virtuos stampfende Sprung-Kombination vollführten, erstarb Händels Wassermusik im Getöse scheppernden Blechs.

Nun, das Publikum nahm es mit Humor und bedachte uns mit freundlichem Tapferkeitsapplaus. Kein Triumph, aber ein Anfang. Die Pionierarbeit hatte begonnen.

Schaut man heute auf unsere vielfältige Tanzlandschaft, fällt es schwer, sich vorzustellen unter welch abenteuerlichen Bedingungen der zeitgenössische Tanz sich seine Berechtigung und seine Anerkennung erkämpfen musste.

Unverständnis, herbe, oft auch unfaire Kritik, aber vor allem das Festhalten an längst überholten Tanzklischees haben deine Anfänge als Choreographin und besonders auch als Tänzerin schwierig und mühsam gemacht. Dass das Arbeitsamt dich regelmäßig mit Spitzenschuhen zum Vortanzen geschickt hat, gehört eher noch zu den amüsanteren Geschichten.

Es war über viele Jahre einfach ein Kampf. Ein Kampf, den du auch – für viele andere, die nach dir kamen – mit ausgefochten hast. Aber du hattest eine harte Schule hinter dir.

Eine schwere Krankheit hat dich bereits in deiner Kindheit das Kämpfen gelehrt, und du hast gelernt, was Wille und eine geradezu preußische Disziplin für unglaubliche Kräfte entfalten können. Und zum Glück sind dir einige äußerst seltene zusätzliche Humor-Gene bereits in die Wiege gelegt worden.

Du besitzt die bewundernswerte Gabe, dich selbst nicht allzu ernst zu nehmen und die Fähigkeit, Rückschläge ohne den leisesten Anflug von Verbitterung überstehen zu können. Vielleicht sind auch deshalb viele deiner Stücke von so erfrischender Komik. Unerschütterlicher Optimismus ist bei dir Programm – und allein schon das ist preiswürdig.

Unsere gemeinsame Anfangszeit beim Folkwang Tanzstudio gehört für mich bis heute zum Schönsten und Aufregendsten, was ich als Tänzer erleben durfte.

Du warst meine erste Choreographin.

Mit niemandem habe ich so gern gestritten wie mit Dir, und mit niemandem mich so schnell und herzlich wieder versöhnt. Es hat einfach Spaß gemacht, mit dir zusammen zu arbeiten – und das tut es bis heute.

Denn dein Enthusiasmus, deine Neugier, deine Leidenschaft und dein Engagement für den Tanz überraschen und inspirieren immer wieder aufs Neue und geben nach wie vor begründeten Anlaß zu den schönsten Hoffnungen.

Für dein eingangs erwähntes »nasses Solo« hast du damals Gustav Mahlers Lied »Ich bin der Welt abhanden gekommen« verwendet.« Es ist schön, heute feststellen zu dürfen, dass du uns nicht abhanden gekommen bist. Und auch, dass du dafür gesorgt hast, dass uns unsere Geschichte nicht abhanden gekommen ist.

Du hast Tradition als Herausforderung begriffen. Du hast das Erbe des oft belächelten, zuweilen verklärten »Deutschen Ausdruckstanzes« gänzlich unvoreingenommen und jenseits eines zeitbedingten Pathos auf seine Essenz überprüft und wieder salonfähig gemacht. Du hast dabei deine sehr eigene, eigenwillige, individuelle Form gefunden, beständig weiterentwickelt, und du hast den deutschen Tanz über viele Jahre und bis heute bereichert.

Ich zitiere hier den Tanzpreisträger des Jahres 1984, den weitsichtigen Kurt Peters, den Klaus Geitel damals in seiner Laudatio als »Honnête Homme«, als einen Ehrenmann des Tanzes pries: Kurt Peters schrieb bereits 1980 anläßlich eines Gastspiels des Folkwang Tanzstudios in seiner Zeitschrift »Das Tanzarchiv« unter dem Titel: »Drei Badewannen und zwei Klos«: »Was mich immer wieder stört ist das Beifallsgerase nach allen Stücken gleich welcher Art und welchen Grades. Bei der Linke sollte man ganz zart miauen oder das Deutschlandlied singen oder im Handstand mit den Füßen wackeln, dann zuhause das Klo ziehen, den eigenen Mief wegspülen und die Badewanne zum politischen Spielplatz machen.«

Sie haben die Auswahl.

Miauen oder singen Sie, Sie können aber auch einfach applaudieren, Bravo rufen, mit den Füßen trampeln, oder andächtig in Erinnerungen schwelgen und mit mir gemeinsam Susanne Linke von ganzem Herzen zu diesem verdienten Deutschen Tanzpreis gratulieren.

Herzlichen Glückwunsch! Liebe Susa!

Der Laudator

Beauftragter für den Studiengang Tanz an der Folkwang-Hochschule Essen

Lutz Förster wurde 1953 in Solingen geboren, seine tänzerische Ausbildung absolvierte er an der Essener Folkwangschule, unter anderem bei Hans Züllig und Jean Cébron. Nach dem dortigen Abschluss wurde er Mitglied im Folkwang-Tanzstudio; hier arbeitete er mit Susanne Linke, Reinhild Hoffmann und Pina Bausch zusammen.

Seit 1975 tanzt Lutz Förster in zahlreichen Produktionen beim Tanztheater Wuppertal Pina Bausch in Wuppertal und auf Tourneen weltweit, zuletzt 2004 beim Festival »Drei Wochen mit Pina Bausch« in Düsseldorf, Essen und Wuppertal und 2005 in London, Venedig, Salzburg, Lissabon und Wuppertal und 2006 in São Paulo und Porto Alegre (Brasilien).

Die Spielzeit 1981/82 verbrachte er mit einem Stipendium des nordrhein-westfälischen Kultusministeriums in New York, hauptsächlich bei der Limón Dance Company. Im Juli 1984 kehrte er als stellvertretender künstlerischer Direktor neben Carla Maxwell zu diesem Ensemble zurück und tanzte dort unter anderem in Choreographien von José Limón, Anna Sokolow, Susanne Linke und Meredith Monk.

1986 und 1989 arbeitete er mit Robert Wilson in Produktionen für die Hamburgische Staatsoper und die Mailänder Scala und kreierte 1999 bei den Salzburger Festspielen die Rolle des Monsieur Jean in der Oper »Les Boréades« von Jean-Philippe Rameau unter der musikalischen Leitung von Sir Simon Rattle. Er war darüber hinaus in mehreren Film- und Fernsehproduktionen zu sehen.

Er ist seit 1991 Professor für zeitgenössischen Tanz und seit 1992 Beauftragter für den Studiengang Tanz an der Folkwang-Hochschule Essen, an der er bis 1998 auch das Folkwang-Tanzstudio leitete. Er war künstlerischer Leiter der Festivals »Folkwang in Moskau« (1993) und »Folkwang Fest der Künste« zum 100. Geburtstag von Kurt Jooss (2001).

Er arbeitete als Gastlehrer für: Tanztheater Bochum/Reinhild Hoffmann, Bremer Tanztheater/Susanne Linke und Urs Dietrich, Tanztheater Basel/Joachim Schlömer, Tanztheater Münster/Daniel Goldin, City Contemporary Dance Company (Hongkong), Modern Dance Theatre (Ankara), Tanztheater Kassel, außerdem in San José (Costa Rica), Sankt Petersburg und an den Universitäten von Mexico City, Austin (Texas), Istanbul, Bogotá und Porto Alegre sowie bei den Sommerakademien in Berlin, München und Wien.